Gruppen & Kreise

Bibelgesprächsabend

20. April bis 1. Juni 2021, 20.00 Uhr

 

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Liebe Gemeinde,

leider wird unser Kreis weiterhin nicht im Ev. Gemeindezentrum stattfinden können.

Sie sind daher herzlich eingeladen zu einer digitalen Alternative als Video, bzw. Telefonkonferenz zur jeweils angegebenen Zeit. Bitte melden Sie sich dafür per Email oder Telefon bei Pfarrer Roman MIchelfelder (roman.michelfleder@ekir.de, 02233-922164) an. Dann erhalten Sie den Link, bzw. Telefonnummer zur Einwahl in die Video, bzw. Telefonkonferenz.

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"Was ist wahre Freiheit?"

 Ein Streitgespräch zwischen zwei Sprachverwandten

 

Das Wort Freiheit ist in der modernen Welt zu einem fast religiösen Begriff geworden. Der Ruf nach Freiheit ist zumeist dort laut zu hören, wo Unfreiheit herrscht. Doch was Freiheit im Grunde ist, fällt uns schwer, genau auszumachen. Zur Zeit erleben wir eine klar bestimmbare Unfreiheit. In unserer Geschichte treten die grausamen Folgen von menschlicher Unfreiheit so klar vor Augen, dass die Notwendigkeit von politscher Freiheit uns heute unzweifelhaft ist.


ἐλευθερία [eleutheria] (griech. »Freiheit«) –
Die Sehnsucht der griechischen Antike


Der andere Ursprung unserer Sehnsucht nach Freiheit liegt in der griechischen Antike. In der hellenistischen Welt kannte man das Streben nach politischer Freiheit. Die zuerst nur auf die πόλις [polis] (griech. »Stadt«) beschränkte Freiheit reichte auch der griechischen Philosophie zur Zeit des Neuen Testaments nicht mehr aus. Freiheit lag in der Luft, als die philosophische Schule der ›Stoa‹ die menschliche Freiheit universell verstand, und der Apostel Paulus seine jüdische Herkunft, seine griechische Bildung und seinen christlichen Glauben in einem Freiheitsbegriff zusammenbrachte.


Im Bibelgesprächsabend wollen wir einem Gespräch aus alter Zeit über die Freiheit nachgehen, das so zwar direkt nicht stattgefunden hat, deren beide Gesprächspartner aber als zwei ähnliche und doch verschiedene Stimmen ihrer Zeit immer wieder miteinander ins Gespräch gebracht worden sind. Einer wusste um den anderen Wir wollen sie mit unseren aktuellen Fragen nach der Freiheit ins Gespräch bringen. 

 

Epiktet (* zw. 50 u. 60 n.Chr., † zw. 120 u. 140 n.Chr.)


»Frei ist, wer lebt, wie er will.«


Für den freigelassenen Sklaven und Philosophen Epiktet war die Freiheit das Lebensthema. Er stammte aus Hierapolis in Phrygien (heute: Türkei), lebte aber lange Zeit als Sklave in Rom. Nach seiner Freilassung gründete Epiktet in Nikopolis (heute: Griechenland) eine stoische philosophische Schule für junge Männer, die meist zur gesellschaftlichen Elite gehörten. Die Philosophie Epiktets diente den »Reichen«, wie er seine Schüler oft anredete, wohl vor allem zur Vorbereitung auf ihre Karriere im öffentlichen Dienst, zum Beispiel in der römischen Verwaltung.


In den als fiktives Gespräch verfassten Texten Epiktets, den so genannten Diatriben (von griech. διατριβή [wörtlich »Zeitvertreib«] »Unterricht«), unterhält sich ein Lehrer mit seinem Schüler, der ihm manchmal kluge und manchmal weniger kluge Fragen stellt. Dieser wird vom Lehrer mit neuen Einsichten überrascht. In seinem Lehrgespräch über die Freiheit will Epiktet zeigen, dass der Erwerb des sozialen Status’ nicht nur nichts zum Erwerb der Freiheit beiträgt, sondern sich als die »schönste und glänzendste Sklaverei« entpuppt. Die scheinbar schlichte Weisheit des Epiktekts »Frei ist, wer lebt, wie er will« wird erst dann interessant, wenn man versteht, dass er nicht die äußerliche Freiheit meint, tun und lassen zu können, was man will, sondern eine innere Freiheit.

 

Der Apostel Paulus (*um 10 Tarsus in Kilikien, † 60 Rom) 

 

»Ihr seid zur Freiheit berufen!«


Für den jüdischen Gelehrten und ersten christlichen Theologen Paulus war die Freiheit so zentral, dass er sie als Ausdruck eines christlichen Lebens verstand. Von sich selbst sprach er im Rückblick, als habe er in einer religiösen Knechtschaft gelebt, bevor er den christlichen Glauben entdeckte. Der Apostel Paulus war ein gebildeter Gelehrter seiner Zeit, kannte das Denken der griechischen Antike und Epiktets. Wie die schlichte gemeinsame Lektüre zeigen wird, klingen die beiden oft sehr ähnlich. So kam gar die Frage auf, ob Epiktet heimlich ein christlicher Autor ist. Doch wer das gleiche sagt, muss noch lange nicht dasselbe meinen.
Wir wollen zwei Menschen und ihre Gedanken vergleichen, um zu sehen, ob wir in den alten Texten unsere eigene Freiheit besser verstehen lernen. Sie sind herzlich eingeladen zu folgenden Bibelgesprächsabenden.